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#6 Befindet sich dein Hund gerade in der Pubertät? Die Entwicklung vom Welpen zum Junghund

In dieser Folge spreche ich über die körperlichen und geistigen Merkmale, die die Entwicklung vom Welpen zum Junghund mit sich bringt. Dabei klären wir folgende Dinge: 

  • Was ist Pubertät?
  • Welche Verhaltensweisen gehen damit einher, damit du erkennen kannst, dass sich dein Hund gerade in dieser Phase befindet?
  • Pubertät beim Rüde und Pubertät bei der Hündin?
  • Dauer der Pubertät?
  • Auf was du während dieser Zeit achten kannst

Ich wünsche dir ganz viel Spaß mit dieser Folge! 


PODCAST-FOLGE #6 IN TEXTFORM

Was ist pubertät eigentlich?

 

 

Pubertät ist eine Phase, in der sich entwicklungsphysiologisch extrem viel tut; es werden jede Menge Signale und Hormone produziert, die dazu führen, dass der Körper Geschlechtshormone ausbildet. Beim Rüden in erster Linie Testosteron, bei der Hündin Östrogen und Progesteron.

 

Der Beginn der Pubertät ist rasse- bzw. individuenabhängig. Die Phase wird primär von den sogenannten "Pubertätsgenen" eingeleitet, die im Erbgut zwar verankert sind, sich aber auch durch die Umwelt beeinflussen lassen. Ein Umweltfaktor, der die Aktivierung dieser Pubertätsgene fördert, ist z.B. energiereiche Ernährung. Eine Verzögerung kann beispielsweise durch Nährstoffmangel, Stress oder andere negative Umwelteinflüsse stattfinden.

Wann startet die Pubertät beim Hund?

Sobald Pubertätsgene eingeschaltet werden, steigen nicht nur die Sexualhormone, sondern auch die Schilddrüse wird aktiv. Viele Mechanismen werden in Gang gesetzt und Wachstums- und Schilddrüsenhormone produziert. 

Es erfolgt Längenwachstum der Röhrenknochen und die Gelenke, Muskulatur, Sehnen und Bänder werden gestärkt.

Diese Wachstumsprozesse enden ungefähr zwischen dem 7. und 14. Lebensmonat, abhängig je nach Individuum und Rasse. Bei kleiner Rasse im 7./8. Monat, bei großer Rasse dauert das Wachstum sehr viel länger.

Auf was du während der Pubertäts-Phase unbedingt achten solltest

 

In dieser Wachstumsphase sind  längere Ruhephasen sehr, sehr wichtig – Vorsicht vor zuvielem Toben mit anderen Hunden oder Frisbee-Spielen, wenn die Wachstumsfugen noch nicht geschlossen sind.

 

Junge Hunde kennen, vor allem bei sehr viel Ablenkung, den Punkt der Erschöpfung nicht und machen einfach weiter  -  sorge dafür, dass du deinen Hund in solchen Momenten rausnimmst und ihn zu einer Pause „zwingst“ , sonst sind Verletzungen vorprogrammiert.

 

Die Produktion von Wachstumshormonen ist also u.a. abhängig von der Produktion von Geschlechtshormonen. Der finale körperliche Feinschliff wird also von der Pubertät eingeleitet. 

 

Frühkastration kann zu Problemen führen – das Kastrations-Thema werde ich jedoch extra und intensiv ein andermal behandeln :-) , denn da gibt es auch viiieeeel zu besprechen. 

"Ein Junghund braucht Ruhephasen zum Verarbeiten von Reizen und Verhinderung von Verletzungen!"

WICHTIG: Eine große Veränderung findet auch im Gehirn statt – Grund für die „kreativen“ Einfälle in dieser Phase; die Prozesse im Gehirn werden effektiver, nicht benutztes wird gelöscht und so gehen Dinge im Junghundealter „verloren“, die als Welpe schon gut funktioniert haben, WENN du sie nicht aktiv weiterhin mit deinem Junghund übst und trainierst!

 

Deshalb! Bitte nicht verzweifeln, das ist ganz normal! Gehe am Besten ein paar Schritte im Training zurück, gestalte es ein bisschen einfacher, sodass dein Junghund motiviert bleibt. Denn es ist häufig so, dass die Konzentrationsspanne als Welpe höher ist, wie als Junghund. Stimmungsschwankungen und Stressanfälligkeit können während der Pubertät auftreten – das System stellt sich aber irgendwann auf einen Mittelwert ein und bleibt dann konstant :-). 

Setze den Fokus auf Ruhe- und Entspannungsübungen.

WICHTIG: Reagiere nicht mit Strenge, Gewalt oder Druck auf Stressphasen deines Hundes, sondern passe das Training den Schwankungen deines Hundes an und mache es ihm in schwierigen Phasen leichter – denn wenn er einfach bei uns zum Erfolg kommt und wenig gefrustet ist, wird er auch weiterhin gerne mit uns mitarbeiten.

Pubertät bei HÜNDINNEN

Bei Hündinnen steigt vor der ersten Läufigkeit das Östrogen an – das merkt man am veränderten Verhalten gegenüber den Rüden und umgekehrt am veränderten Verhalten der Rüden gegenüber der Hündin.

Kommt der Rüde als Partner in Erwägung, benimmt sich die Hündin eher „verliebt“, ansonsten reagiert sie eher aggressiv und ablehnend.

 

Diese Phase wird Voröstrus genannt und danach folgt die Läufigkeit (Östros).

Auf die genauen Zyklusphasen der Hündin werde ich zu einem späteren Zeitpunkt noch genauer eingehen.

 

Niemand ist sich genau sicher, ab wann die Pubertät zu Ende ist - es herrscht der Richtwert, dass die Hündin nach mindestens 3 Läufigkeiten das Erwachsenen-Alter erreicht hat. 

Pubertät bei RÜDEN

Beim Rüden erkennt man den Anstieg an Testosteron und damit den Beginn der Pubertät am „Beinheben“  beim Pipi-Machen und daran, dass der Körperbau immer kräftiger wird und die Talgproduktion angeregt wird, sodass dann das Fell schön glänzt.

 

Sowohl bei Hündin wie auch beim Rüden nehmen die Schwankungen langsam ab, der Gang wird kräftiger und die Entscheidungen werden weniger emotional getroffen.

 

Beim Rüden orientiert man sich tendenziell auch an der Hündin der gleichen Rasse (also an dem Zeitpunkt von 3 vollendeten Läufigkeiten), bis man den Rüden als voll erwachsen erklärt. 

 

 

 

 

Ich wünsche damit dir und deinem Welpen einen guten Rutsch in die neue Lebensphase und falls ihr euch schon mitten drin befindet: 

 

DURCHHALTEN ist die DEVISE :-)

 

Vielleicht hast du ja auch einen Hund, bei dem du die Pubertät kaum spürst - so etwas gibt es natürlich auch. 

 

Hab noch einen schönen Tag! 

 

Deine Lisa

Buch-Empfehlung: "Kastration und Verhalten beim Hund" von Sophie Strodtbeck & Udo Gansloßer

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